Der König der Tauben auf www.kingtaube.de

Wir waren nicht Staub im Wind

Beiträge aus der Geschichte der SZG Kingtauben

aus der Sicht von Dr. K.-H. Swoboda

Die Geschichte der Spezialzuchtgemeinschaft (SZG) Kingtauben in der DDR ist ein Spiegelbild deutsch-deutscher Geschichte

Im folgenden Beitrag soll die Historie der SZG im Zeitraffer, verdienstvolle Gestalter dieser Entwicklung aus der Schar der engagierten Züchter von der Geburtsstunde bis hin zum Zusammenschluss aufgezeigt werden (ohne Anspruch auf Vollständigkeit). Die Aussagen/Zitate stützen sich auf SZG - Unterlagen aus den Privatarchiven von K. Ohlendorf und Dr. K.-H. Swoboda sowie Infos von W.Riedl/Weimar.

Zur Gründung

In einem Schreiben vom 03.081964 von Alfred Klawe - eine der Lichtgestalten ostdeutscher Formentaubenzucht über die Wendezeit hinaus- an den Zentralverband des Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter heißt es u.a.: "Die nachfolgend genannten Züchter der Kingtaube beabsichtigen eine Spezialzuchtgemeinschaft der Züchter der Kingtauben zu gründen... Die Gründungsversammlung soll zur Großen Leipziger Rassegeflügelschau abgehalten werden..." (Vgl. Privatarchiv Dr. Swoboda) Die Gründungsversammlung der Spezialzuchtgemeinschaft Kingtauben fand am 06. Dezember 1964 in Leipzig (Klubhaus Park Meusdorf) statt. Folgende zehn Zuchtfreunde (Gründungsmitglieder)waren lt. Anwesenheitsliste erschienen:

Züchter

Wohnort

Klawe Liebenwalde
MalerNaumburg
GrafFalkenstein
SchillingGreiz
BornscheinGreiz
ZöllnerMittweida
KrahnertNeugernsdorf
SeidelFockendorf
TriegelCalbe/Saale
JunghansBad Lausick
(Vgl. Privatarchiv Ohlendorf und Rundschreiben 1/65 Privatarchiv Dr. Swoboda)



Vorstandschaften

Lt. Rundschreiben I/65 ist folgende, erste Vorstandschaft gewählt worden:

Obmann Johannes Bornschein (bis 1970)
Stellvertreter und KassiererAlfred Klawe (bis zum Zusammenschluss mit dem KCD)
SchriftführerGerd Junghans
ZuchtwartDieter Lippoldt (Westeregeln)
BeisitzerFritz Hoppe (Eula b. Borna)
Revisionskommission Fritz Hoppe, Dieter Lippoldt, Siegfried Schneider (Lugau/Erzgebirge)

In den Folgejahren sind folgende Zuchtfreunde in Vorstandsfuktionen gewählt worden:

Obleute Berd Spanner (Mehla), Paul Gittel (Bad Köstritz), Dr. Karl-Heinz Swoboda (Tribsees), Jürgen Orlamünde (Tiefurt)
1. SchriftführerRita Dietrich (Sprotta/Siedlung), Klaus Ohlendorf (Sondershausen)
1. ZuchtwarteWerner Deutschmann (Großhennersdorf), W. Prehl (Meuselwitz),Werner Riedl( Weimar, ab 1977)
WettbewerbskommissionWerner Riedl (Weimar), ab 1971/1973 Funktionszusammenlegung mit Funktion des 2. Zuchtwartes, später in Zusammenarbeit mit dem 1. Schriftführer

Ab dem Jahre 1969 hatte der Hauptvorstand einen Geschäftsführer, eine erfolgreiche Praktik, die auch später bei den sechs, seit dem Jahre 1980 tätigen Arbeitsgruppen aufgegriffen worden ist.

Arbeitsgruppenleiter im Jahre 1989 waren Dr. K.-H.Swoboda(AG 1), H. Wackwitz(AG 2), J. Orlamünde(AG 3), K. Piske(AG 4), M. Loeffler (AG 5), U. Dähn (AG 6).(Vgl. Rundschreiben 1/65 , Poster zum 25. SZG-Jubiläum , Privatarchiv Dr. Swoboda)

Organisation / SZG - Leben

Sommertagungen als zentrale Züchtertreffs fanden ab dem Jahre 1966 statt. Der Auftakt war in Greiz bei den Zuchtfreunden Bornschein, Schilling und Krahnert. Diese und die Folge -treffs dienten nicht nur der Festigung der Zuchtgemeinschaft, sondern auch der Vermittlung neuer Zuchtstandsinformationen und fanden regen Zuspruch bei den Mitgliedern.

Der Entwicklung des Mitgliederlebens/ Zahlen wurde seitens des Vorstandes stets große Aufmerksamkeit geschenkt.

1964 - 34 Mitglieder, 1967 - 53 Mitglieder, 1969 - 60 Mitglieder, 1973 - 103 Mitglieder, 1984 - 201 Mitglieder, 1989 - 197 Mitglieder (Vgl. Poster...a.a.O., u. Privatarchiv Ohlendorf)

Sonderzuchtrichter

Die ersten Sonderzuchtrichter der SZG waren K. Scheffel, W. Deutschmann und A. Güthel. In den Folgejahren vervollständigten die Zuchtfreunde W. Riedl, E. Rantzsch, S. Bur -meister, H. Fischer, P. Gittel, R. Heim, W. Prehl, E. Strupp, Dr. K.-H. Swoboda und H. Wackwitz dieses Team. Als weitere Wegbegleiter auf vielen Schauen stellten die Zuchtfreunde W. Stötzner und Prof. Dr. Schille ihre zuchtrichterische Fachkompetenz in den Dienst der SZG.(Vgl. ebenda)

Sonderrichterschulungen(ab 1979) wurden anlässlich der Zentralen Jungtierbespre -chungen (diese lt. Beschluss vom Juli 1975 ab dem Jahre 1976, vgl. Protokoll Aug. 1975) mit Beginn der langjährigen Amtszeit von W. Riedl als Zuchtwart ins Leben gerufen und durchgeführt. (Vgl. auch W. Riedl/Info)

Der Beschluss des Zentralvorstandes des VKSK aus dem Jahre 1980, großen sowie leistungs- starken SZG`n die Ausbildung von nur "Sonderrichtern" zu ermöglichen, erbrachte für die SZG nur einen Zuwachs an SR..(Vgl. Chronik 125 Jahre BDRG, 2006, S.265)

"Ausstellungen sind Spiegelbilder der Züchterarbeit" - ist einmal von dem bekannten Strasser - und Kingtaubenzüchter und Zuchtrichter E. Rantzsch festgestellt worden, der auch der geistige Vater unseres Slogans ist:

"Nicht der größte, nicht der kleinste, wohl aber der King, der alle rassetypischen Merkmale am besten in sich vereinigt, ist unser Ziel"
(Vgl. Zur Geschichte der SZG Strassertauben)

Die 1.Sonderschau der SZG fand im Jahre 1967 in Wildetaube mit 83 Tieren in 6 Farbschlägen statt. Erstmals mehr als 400 Tiere wurden in Wildetaube im Jahre 1976 mit 429 Kings und mehr als 500 erneut in Wildetaube (1980) und mehr als 600 mit 607 Kings im Jahre 1981 in Theißen. Der absolute Tierzahlhöhepunkt wurde im Jahre 1989 mit 876 Tieren anlässlich der Interking in Meuselwitz erreicht. (Vgl. Poster...,a.a.O.)

Weitere Höhepunkte im Ausstellungsleben der SZG waren die beiden Jubiläumsschauen in Erfurt (1984 Ausstellungsleiter W. Riedl) mit 778 Tieren und 1989 in Meuselwitz (Ausstellungsleiter K. Peitsch). Auf der Jubiläumsschau in Erfurt errang W. Riedl sechs mal die Höchstnote auf einen Farbschlag, ein Ergebnis, was nie wieder auf einer SZG Ausstellung erreicht worden ist.

Mit großem Erfolg beteiligte sich der VKSK seit Anfang der siebziger Jahre an der Intertau (Internationale Taubenausstellung der sozialistischen Länder). Zu einem der Erfolgsgaranten avancierte die SZG Kingtauben (Vgl. auch u.a. Rundschreiben Nr.3 /1973, Aug. 1975 u.a.). Die Kingtauben wurden auf einer Beratung des VKSK im Jahre 1973 als internationale Taubenrasse bestätigt.(Vgl. Chronik....ebenda, S.261).Aus den Reihen der SZG zählten u.a. die Zuchtfreunde Bornschein, Grünler, Dähn , Klawe, Riedl, Schachtschabel, Witek, F. und Dr. K.-H. Swoboda zu den erfolgreichsten mit hohen Bewertungsnoten, Nationalen und Internationalen Championaten).

Auf den SZG - Hauptschauen wurden ab der Jubiläumsschau in Erfurt im Jahre 1984 für die besten Tiere die begehrten "SZG - Championate" (in Form von Wimpeln) vergeben.

Internationale Zusammenarbeit

Immer wieder waren es die ungarischen Zuchtfreunde, die bei internationalen Problemen helfend eingegriffen haben. Ob zur Intertau, als keine "harte Währung" zur Verfügung stand, oder als Wegbereiter für viele Neuerungen. Ihnen, besonders aber den Zuchtfreunden Prof. L. Batta (u.a. Präsident des Ungarischen Taubenzüchterverbandes und Kingtaubenzüchter) und L. Rep (Chef der ungar. Kingtaubenzüchter in den 70er und 80er Jahren), sind die SZG-Züchter zu besonderem Dank verpflichtet. So erhielten die SR W. Riedl und Dr. K.-H. Swoboda Einladungen für Preisrichtereinsätze in Ungarn - auch das half, einschränkende VKSK - Beschlüsse aufzuweichen. Sie ermöglichten aber auch Tierimporte für DDR - Züchter aus dem "nichtsozialistischen Ausland", selbst aus den USA.

Mit den Interking (Internationale Kingtaubenausstellungen der sozialistischen Länder) und dem Auftakt in Tatabanya (1987/ Ungarn) wurde vor allem für die DDR - Züchter ein neues Tor aufgestoßen. Diese und die Folgeausstellungen in Meuselwitz (Jan. 1988), Brno (Herbst 1988 /CSSR)) und nochmals Meuselwitz (1989) gestalteten sich zu wahren Festen der osteuropäischen Kingtaubenzucht. Kollektionen (bis zu 50 Tieren pro Land) konnten aus den Teilnehmerländern Ungarn, Tschechoslowakei, Rumänien, UdSSR, Jugoslawien und der DDR entsandt werden. Es entstanden Züchterfreundschaften, die bis in unsere Tage reichen, es wurden Züchterkontakte ermöglicht, die vorher kaum vorstellbar waren. Mit Meuselwitz 1989 wurde auch mit rd. 900 ausgestellten Kingtauben das bisher zahlenmäßig beste Resultat der SZG - Geschichte erreicht.

Folgende Resultate erreichten u.a. die SZG - Mitglieder:

Tatabanya: W. Riedl (2 mal "V"), K. Peitsch (1 mal "V") - weiß, F. Swoboda (2 mal "V" 1mal Klassensiegerin), H. Fischer("V") - bl.m.s.Bd., P. Weckbach ("V" u. Klassensieger) - blaugeh., J. Orlamünde("V" u. Klassensieger), Dr. Swoboda("V") - gelb

Meuselwitz: W. Riedl (3 mal "V" u. bester 1,0 der Ausstellung), K. Peitsch ( 3 mal "V") - weiß, F. Swoboda ( 2 mal "V" und beste 0,1 der Ausstellung), G. Schachtschabel ("V") - bl.m.s.Bd., P. Weckbach ("V" und Klassensieger) - blaugeh.

Brno: K. Peitsch ("V") - weiß, Dr. Swoboda ( "V" und beste farbige 0,1 der Ausstellung), H. Fischer ("V") - bl.m.s.Bd., P. Weckbach , K. Ohlendorf ( je 1 mal"V" und Klassensieger) - blaugeh., J. Orlamünde, Dr. Swoboda ( je 1 mal "V" und Klassensieger) - gelb, W. Riedel(Knau) ("V" und Klassensieger) - schwarz- weiß gescheckt.(Vgl. Poster..., a.a.O.)

Meuselwitz: W. Riedl , K. Peitsch ( je 2 mal "V"), L. Iftiger, J. Schürer, A. Klawe, W. Krusenbaum, J. Weimann (je 1 mal "V") - weiß, J. Bornschein ("V") - braunfahl, Dr. Swoboda (3 mal "V"), H. Fischer ("V") - blau m. s.B., K. Ohlendorf (2mal "V")P. Weckbach ("V) - blaugeh., J. Weimann("V"), W. Riedel("V") - schwarz, H.Lindner, Dr. Swoboda (je 1 mal "V") - rot, Dr. Swoboda (2 mal "V") - gelb. Erfolgreichster Aussteller : Dr.- Swoboda mit 6 mal der Note "V".

Resümierend kann man hierzu feststellen: Kein Kingklub Europas - vor oder nach der Wende - hat einen derartigen züchterischen Leistungsvergleich zu Stande gebracht. Dies ist ein unauslöschbarer Beitrag der osteuropäischen Kingtaubensondervereine zur Entwicklung der Kingtaubenzucht in Europa!

Weitere Leistungen der SZG Kingtauben auf ihrem Wege waren die Erstellung der jährlichen Arbeitspläne sowie eines Zuchtprogramms 1987 (Vgl. Poster ...a.a.O.). Zu den weiteren Verdiensten der SZG -Züchter gehören:

* die Herauszüchtung der Farbschläge - blau ohne Binden: R.Gottschall (Harra) und J. Bornschein (Greiz); - rotfahl: K. Ohlendorf

* die Mitwirkung am neuen Standardbild der SZG (kurz vor der Wende)

KCD - SZG - Beispiele der Zusammenarbeit auf einem schweren, aber erfolgreichen Weg von der Gründung bis zum Zusammenschluss

Bereits im Rundschreiben Nr.2/65 (Vgl. Privatarchiv Dr. Swoboda) berichtete der SZG-Obmann J. Bornschein über die Kontaktaufnahme mit dem KCD-Vorsitzenden E. Müller. Dieser erklärte nicht nur seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit, sondern ließ auch Taten folgen. Im Dezember 1965 wurden die ersten 9 Tiere zum Aufbau der DDR-Zuchten vom KCD gespendet. (Vgl. Rundschreiben 1/66 a.a.O.). Mehrheitlich kamen jedoch die ersten Kings aus der CSSR und Ungarn. Bis zum Zusammenschluss traten auf verschiedenste Weise BRD-Kings die Reise gen DDR, nicht selten über Ungarn, an.

Die Beschlüsse des VKSK( Vgl. Chronik...BDRG..., S.255 a.a.O.) ab dem Jahre 1960 zur politischen Abgrenzung konnten zwar die offizielle Verbandsarbeit einengen, nie aber die persönlichen Kontakte unterbinden. Zahlreich waren diese, viele BRD-Züchter kamen auch in die DDR, der umgekehrte Weg war noch schwieriger. Vgl auch Beitrag "45 Jahre KCD...") Sie wurden zu moralischen Kraftquells, denn manches konnte zur Aufrechterhaltung des SZG-Lebens nur mit größtem Aufwand betrieben werden, so die Beschaffung von Papier in den Gründerjahren (Vgl. Brief B. Spanner v. 18.06.1973, Privatarchiv Dr. Swoboda) "...Bei der SZG Arbeit macht mir die Materialbeschaffung die größten Schwierigkeiten, es gibt absolut nichts mehr..." - aber irgendwie ging es dennoch immer wieder weiter. So auch bei der Papierbeschaffung für das Poster im Jahre 1989, als Dr. H. Krause aus einem Druckauftrag (Hochglanz) für die BRD aus einer Druckerei das Restpapier ergatterte.

Die Porzellanvasen und Teller zu den Jubiläumsschauen, die Jubiläumsmünze und manch anderes kam durch die persönlichen Kontakte zu Stande und somit der Gemeinschaft zu Gute. Es bedurfte schon vielfältigster Aktivitäten, um das SZG - Leben auch materiell bestmöglich abzusichern.
An die Adresse derer, die schnell zu Urteilen neigen, empfehle ich Zurückhaltung!

Aber auch mancher Preis wechselte in beide Richtungen und wurde auf den Hauptschauen des KCD und der SZG als Zeichen der Gemeinsamkeit vergeben.

Mit dem Schreiben (vom 06.05.1991) des letzten SZG - Vorsitzenden, Jürgen Orlamünde, an den KCD - Vorsitzenden Armin Pfister wurde dann seitens der SZG jener Antrag auf Zusammenschluss gestellt, der unseren Weg in die große gesamtdeutsche Züchtergemeinschaft der Kingtaubenzüchter ebnete.(Vgl. Privatarchiv K. Ohlendorf)

Wenn man über die Geschichte der SZG Kingtauben berichtet, bedarf ein Züchter einer besonderen Hervorhebung. A. Klawe - nicht nur als Züchter europaweit bekannt und geachtet, sondern auch "das Gewissen der ostdeutschen Rassetaubenzucht", der stets zum achtungsvollen und fairen Umgang mahnte, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken!

Viele haben mitgewirkt, alle zu nennen ist unmöglich - aber die beiden Gründer Erich Müller und Johannes Bornschein waren jene "Motoren" , die eine Gemeinschaft zum Erfolg braucht. Sie hatten Wegbegleiter und Nachfolger , die die Erfolgsspur vertieften und in der Zusammenschlussphase mit A. Pfister einen Mann an der Spitze, der mit seinem Team die Erfolgsspur sicherte und ausbaute.

Für seine Verdienste um die Entwicklung der SZG und die Kingtaubenzucht in der DDR ernannte der Obmann der SZG den Zuchtfreund Johannes Bornschein im Jahre 1984 zum Ehrenvorsitzenden.

Und nunmehr ein SV im geeinten Deutschland ist das wohl beste Geschenk zum 50. Geburtstag.

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